Die Blumenbachsche Schädelsammlung im Zentrum Anatomie der Universitätsmedizin Göttingen

Anatomie

Adresse:

Universitätsmedizin Göttingen • Zentrum Anatomie
Kreuzbergring 36
37075 Göttingen
www.uni-goettingen.de/sammlung-blumenbach

Öffentliche Ausstellung: teilweise
Geöffnet: Mo bis Fr 8 – 18 Uhr
Eintritt: frei
Führungen: nach Vereinbarung

Ansprechperson: Prof. Dr. Dr. Michael Schultz
Tel.: 0551 39-7000
E-Mail: mschult1@gwdg.de
Die von Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840) begründete Schädelsammlung ist offenbar die älteste noch erhaltene universitäre Sammlung weltweit und damit ein außerordentlich wertvoller Besitz der Georgia Augusta. Basierend auf den von ihm gesammelten Schädeln schrieb Blumenbach 1775 in seiner Dissertation »über die natürlichen Verschiedenheiten im Menschengeschlecht« und über vier unterschiedliche »Hauptvarietäten « des anatomisch modernen Menschen – er begründete also keine »Rassenlehre « wie ihm häufig fälschlicherweise unterstellt wird.

1779, in der ersten Auflage seines »Handbuchs der Naturgeschichte« fügte er noch eine fünfte Varietät hinzu. Jene Originalschädel befinden sich auch heute noch in der Sammlung. Zahlreiche in- und ausländische Schüler, Freunde und Kollege sandten oder vermittelten Blumenbach immer wieder menschliche Schädel, wie zum Beispiel Johann David Michaelis (1717–1791), Georg Thomas von Asch (1729–1807), Kardinal Stefano Borgia (1731–1804), Joseph Banks (1743–1820), Carl Peter Thunberg (1743–1828), Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), Samuel Thomas von Soemmerring (1755–1830), Franz Joseph Gall (1758–1828), Alexander von Humboldt (1769–1859), Georg Heinrich von Langsdorff (1774-1852), Martin Hinrich Lichtenstein (1780–1857), Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied (1782–1867), Christian VIII. von Dänemark und Norwegen (1786–1848) und Johann Friedrich Ludwig Hausmann (1782–1859). Da der »Sammlungsgegenstand« eindeutig in das Forschungs- und Lehrgebiet der Anatomie fiel, wurden seine gesamten naturhistorischen Sammlungen 1840 von der Universität erworben und vom Anatomen Bernhard von Langenbeck (1810–1887) teilweise in die Sammlung des Anatomischen Institutes eingegliedert. In der Folge wurde diese von ihm und seinen Nachfolgern Jacob Henle (1809–1885), Friedrich Merkel (1845–1919) und Hugo Fuchs (1875–1954) ergänzt. Die wissenschaftshistorische Bedeutung der Sammlung ist unbestritten, da sie zusätzlich auch archäologisch und kulturhistorisch wichtige Exponate enthält.

Die hiesige Schädelsammlung ist aber auch von aktuellem wissenschaftlichem Interesse. So stellen die Schädel, welche Spuren von Mangelernährung (zum Beispiel Skorbut) oder Infektionskrankheiten (unter anderem Syphilis) sowie äußerer Gewalteinwirkungen (Trauma, Trepanation etc.) aufweisen, für die medizinhistorische und paläopathologische Forschung wichtige Vergleichsfälle dar, die über Krankheiten und ärztliche Hilfeleistung in der späten Neuzeit berichten.

Der ursprüngliche und umfangreiche Originalkatalog ging im Zweiten Weltkrieg verloren; die Sammlung selbst blieb unversehrt erhalten, da sie auf Betreiben des damaligen Direktors Erich Blechschmidt (1904–1992) nach Bremke ausgelagert wurde. Heute ist der Bestand Teil der Sammlungen des Zentrums Anatomie der Universität Göttingen. Sie umfasst insgesamt mehr als 840 Schädel und Abgüsse.

Michael Schultz & Mike Reich

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