Academisches Museum der Universität Göttingen

Ansicht des Academischen Museums
Die Erforschung der Frühgeschichte der akademischen Sammlungen in Göttingen und die virtuelle Rekonstruktion des einstigen Academischen Museums ist ein kollaboratives Vorhaben, an dem - neben den Sammlungen selbst - noch zahlreiche weitere Partner auf dem Göttingen Campus und darüber hinaus beteiligt sind.

Die Digitalisierungsarbeiten und die Veröffentlichung der Digitalisate werden koordiniert von:

Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
und
Zentrale Kustodie der Universität Göttingen

Zusammenarbeiten bestehen mit:

Johann Friedrich Blumenbach-Online
Editionsvorhaben der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Forschungsprojekt Sammeln erforschen

Ansprechpartner/Kontakt:

Zentrale Kustodie
Referat Sammlungsmanagement
Karsten Heck
Tel.: +49 (0551) 39-20739
E-Mail: heck@kustodie.uni-goettingen.de

Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
Dr. Johannes Mangei
Tel.: +49 (0551) 39-5236
E-Mail: mangei@sub.uni-goettingen.de

Im Jahr 1773, rund vierzig Jahre nach Gründung der Georgia Augusta, wurde das Königlich Academische Museum als zentrale Einrichtung der Universität eröffnet. Es war - wie die gesamte Universität - aufklärerischen Idealen verpflichtet: Parallel zum Aufbau einer zentralen Bibliothek - und zunächst auch unter ihrem Dach - legte man eine Sammlung von "Naturalien" und "Artificialien" an. Die Objekte dienten als Material für Forschung und Lehre, gleichzeitig sollten sie auch einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich sein. Durch den Ankauf privater Naturaliensammlungen und den systematischen Erwerb teils spektakulärer Objektkonvolute entwickelte sich das Academische Museum rasch zu einer weit über Göttingen hinaus ausstrahlenden wissenschaftlichen Einrichtung.

Das Academische Museum der Universität Göttingen geht initial auf den Ankauf der Privatsammlung des Gelehrten Christian Wilhelm Büttner (1716-1801) durch die Georgia Augusta im Jahr 1773 zurück. Bereits bestehende Planungen zum Aufbau eines Universitätsmuseums bekamen damit den entscheidenden Impuls für einen rasanten Wachstumsprozess der Sammlungen aus allen drei Naturreichen sowie Ethnographica, Kunstwerke und Instrumente. Für das Jahr 1840 kann der Gesamtbestand auf ca. 12.000 Objekte geschätzt werden.

Die Amtszeit des ersten Verwalters und späteren Oberaufsehers des Museums, Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840), gilt als wesentliche Blüte- und Konsolidierungsphase des Museums. Nach dessen Tod und bis zur Eröffnung des neuen Naturhistorischen Museums der Universität 1878 begann bereits die Ausdifferenzierung der akademischen Sammlungen in vier Abteilungen: die mineralogisch-geologische unter Johann Friedrich Hausmann (1782-1859); die zoologische unter Arnold Adolf Berthold (1803-1861); die anthropologisch-zootomische unter Rudolf Wagner (1805-1864); die ethnographische unter Johann Friedrich Osiander (1787-1855).

Das Academische Museum war einer Didaktik am Sammlungsobjekt verpflichtet, die sich auf Präsentation und unmittelbare Anschauung gründete. Das Museum war konstitutive Infrastruktur einer Forschungs- und Lehrpraxis, die Erkenntnis über die aufmerksame Betrachtung von Objekten und Objektgruppen generierte; es diente der Kommunikation der Gelehrten untereinander und mit interessierten Laien; schließlich fungierte es als visuelle Beglaubigungsinstanz von Forschungsergebnissen. Es ist diese Tradition der objektbasierten Forschung und Lehre, in die sich das Forum Wissen bewusst stellt, um mit den Methoden des 21. Jahrhunderts die Universität in ihrer komplexen Ganzheit und die Verwurzelung in Wissens in der Materialität der Dinge wieder erfahrbar und fruchtbar zu machen.